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Cauda equina
Als Cauda equina werden der hinterste Teil des Rückenmarks und das daraus entspringende Nervenbündel bezeichnet. Sie versorgen die Schwanzmuskulatur, bedeutende Teile der Muskulatur der Hintergliedmaßen und sie steuern den Kot- und Harnabsatz. Beim Hund verlaufen sie über die Länge von eine bis zwei Wirbelkörpern im Wirbelkanal, bevor sie diesen durch die Zwischenwirbellöcher verlassen.

Abbildung 1: Das Bündel der Nervenwurzeln (1) wird als Cauda equina (Pferdeschweif) bezeichnet. Die einzelnen Wurzeln (2) treten durch die Zwischenwirbellöcher aus dem Wirbelkanal. Der Übergang des letzten Lendenwirbels (L7) zum Kreuzbein ist im Vergleich zur übrigen Lendenwirbelsäule sehr beweglich und wird, da hier die Kraft vom Becken auf den Körperstamm übertragen wird, sehr stark belastet.
Bei Einengung des Wirbelkanals und der Zwischenwirbellöcher zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem Kreuzbein durch einen Bandscheibenvorfall, bindegewebige oder knöcherne Anlagerungen (man spricht von einer degenerativen lumbosakralen Stenose (DLSS, Abb. 2 und 3) kommt es zu einer Kompression der neuralen Strukturen und zu charakteristischen neurologischen Symptomen.

Das Lumbosakralgelenk (Gelenk zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem Kreuzbein) ist dabei besonders gefährdet, da die Kraft von den Hintergliedmaßen und dem Becken auf den Körperstamm über dieses Gelenk übertragen wird. Natürlich können auch viele andere Ursachen zu einer Cauda equina Kompression führen: Frakturen und Tumoren (Geschwülste) sind Beispiele. Diese Erkrankungen können bei jeder beliebigen Rasse beobachtet werden.

Abbildung 3: Kontrastmitteldarstellung (Myelographie) des lumbosakralen Übergangs bei einem 6-jährigen Deutschen Schäferhund mit Spondylose (S) und schwerer Kompression der Zwischenwirbelspalt L7-Kreuzbein ist eng und unregelmäßig. Durch die vorgefallene Bandscheibe (Hernie) und verdickten Bandstrukturen ist die Kontrastmittelsäule über dem Zwischenwirbelspalt L7-Kreuzbein nach oben verlagert und eingeengt (Pfeile). Die Folge war eine Lähmung beider Hintergliedmaßen.
Bei der DLSS beträgt das Durchschnittsalter beim Auftreten der klinischen Symptome etwa 6 Jahre. Die Streubreite ist allerdings sehr groß, es können auch sehr junge (12 Monate) und sehr alte Tiere (10 Jahre und älter) betroffen sein.
Die klinischen Symptome entwickeln sich meistens sehr langsam über Wochen bis Monate. Das Leitsymptom ist Schmerz im Übergang Lendenwirbelsäule/Kreuzbein. Die Tiere weigern sich, ins Auto zu springen, Hindernisse zu überspringen oder auch Mannarbeit im Schutzdienst zu verrichten, alles Bewegungen, bei denen die Verbindung Beckenregion/ Körperstamm stark belastet wird. Bei der Untersuchung kann der Schmerz durch Druck auf die Kreuzgegend oder Strecken der Hintergliedmaßen nach hinten ausgelöst oder verstärkt werden. In fortgeschritteneren Fällen haben die Tiere Mühe aufzustehen und zeigen Symptome einer Schwanzlähmung, aber auch Lahmheit oder Lähmung einer oder beider Hintergliedmaßen. Noch später können die Tiere Kot- und Harninkontinenz (verlieren unkontrolliert Kot oder Harn) zeigen. Tiere mit derart fortgeschrittenen Veränderungen haben schlechte Aussichten auf Heilung. Ab und zu ist die Sensibilität im Schwanz oder der Gliedmaßenspitzen derart gestört, dass sich die Tiere Pfoten und Schwanzspitze selbst zernagen (Automutilation).
Die oben erwähnten Beschwerden sind für den Tierarzt meist schon deutliche Hinweise auf den Ort der Beschwerden. Der neurologisch geschulte Tierarzt wird neben Schmerz noch weitere Symptome finden, die helfen, eine Kompression der Cauda equina von anderen Erkrankungen abzugrenzen.
Schmerz bei Druck auf das Kreuzbein, Überstrecken
Parese (Schwäche),
Ataxie (Störung der Koordination)
Störung der Tiefensensibilität (der Hund spürt nicht mehr, wie die Pfoten stehen),
abnormale Gliedmaßenreflexe
gestörte Reflexe im Bereich des Anus.
An die klinische Untersuchung schließt sich oftmals eine Röntgenuntersuchung an. Die endgültige Diagnose muss aber mit einer Kontrastuntersuchungen wie der Myelographie (siehe Abb. 3) und technisch aufwendigen Untersuchungen wie der Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT, Abb. 4) gestellt werden. In einigen Fällen wird sogar erst die Chirurgie über die Natur der Störung Auskunft geben.

Abbildung 4. Magnetresonanztomographie des Lumbosakralgelenks bei einem 7-jährigen Labrador Retriever. Die zwei Querschnittsbilder zeigen den Wirbelkanal (Kreis) mit dem Fett (weiß) und den darin eingelagerten Nervenwurzeln (dunkle Punkte). Auf der linken Seite ist der Wurzelkanal offen, auf der rechten Seite ist er durch einen Bandscheibenvorfall (Pfeil) verschlossen. Die Folge war eine einseitige Gehstörung (Lähmung).
Quelle: PD Dr. med. vet. Johann Lang, Dipl ECVDI (Radiologie); Prof. Dr. med. vet. André Jaggy, Dipl ECVN (Neurologie); Dr. med.vet. Gabriela Seiler (Radiologie) Departement für klinische Veterinärmedizin, Universität Bern