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Aron

Ich, Aron vom Walgenbach

habe auch etwas über meine Vorfahren, und damit meine ich nicht meine Eltern und Großeltern etc., nein ich meine die Vorfahren aller Haushunde, recherchiert. Im folgenden könnt ihr die spannende Geschichte der Geschichte "Haushund" nachlesen.

Also, es begann alles vor ca. 65 Millionen Jahren. Da ging die Dynastie der erfolgreichsten Gattung aller Zeiten zu Ende. Seit dem mittleren Perm (ca. 250 Mio. Jahre) hatten die Reptilien die Erde beherrscht und eine Vielzahl verschiedenster Arten, u.a. die zum Teil riesigen Saurier hervorgebracht. Über die breitgefächerte Aussterbewelle am Ende der Kreidezeit, der neben den Dinosauriern auch zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten zum Opfer fielen, existieren nur Theorien, auf die ich nicht weiter eingehen möchte.

Stammbaum

Doch dieses traurige Schicksal der Reptilien ermöglichte einer anderen Gattung den Durchbruch: den Säugetieren. Noch im Schatten der Saurier entwickelten sich bereits im frühen Mesozoikum (vor ca. 200 Mio. Jahren) die ersten Vertreter der Säugetiere, die Ur-Insektenfresser: Das waren kleine Raubtiere von kaum 30cm Länge. Sie bildeten die Basis für die späteren Fledertiere, Primaten, Nagetiere, Stammraubtiere und Stammhuftiere, welche wahrscheinlich erst mit dem Aussterben der Dinos entstanden. Aus diesen fünf Ordnungen entwickelten sich im Laufe der Evolution bis heute insgesamt 17, wodurch wir zusammen mit den Monotremeta (Kloakentiere) und Marsupialia (Beuteltiere) - die sich ebenfalls im Mesozoikum neben den Ur-Insektenfressern entwickelten - heute insgesamt 19 Säugetierordnungen zählen.

Stammraubtier (Phantombild)

Vor etwa 55 Millionen Jahren entwickelten sich die ersten Säugetiere mit Ansätzen von Fangzähnen, aus denen sich später unsere heutigen Fleischfresser wie Hunde, Katzen, Hyänen und Bären entwickelten. Cynodictis entwickelte sich vor ca. 30-40 Millionen Jahren und hatte schon die gleiche Anzahl Zähne wie unsere heutigen Wölfe, war aber kleiner und hatte einen flexibleren Körperbau. Auch die Läufe waren wesentlich kürzer als die des heutigen Wolfes. Im Ganzen sah Cynodictis wohl mehr wie ein Wiesel aus. Über Cynodictis und Cynodesmus zum Tomarctus entwickelte sich der heutige Wolf.

Die Läufe wurden länger und kräftiger, die fünfte, innenwendige Zehe entwickelte sich zu einem Überbleibsel zurück, der Schwanz wurde kürzer und das Aussehen glich mehr unseren heutigen Wölfen und Füchsen. Der Fuchs behielt seine ursprüngliche Größe bei, der Wolf aber wurde größer und erreichte seine heutige Form vor etwa 1 bis 2 Millionen Jahren. Ein enger Verwandter, Canis Dirus (Direwolf) lebte in der Eiszeit und war noch sehr viel größer als unsere heutigen Wölfe, starb aber am Ende der Eiszeit aus.

Canis Lupus entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Raubtiere der Erde und konnte sich in vielen Unterarten den verschiedensten Umgebungen anpassen. Wölfe leben in den schneesturmgepeitschten Gebieten Alaskas, sind aber auch im heißen Spanien und Indien zuhause.

Lange Zeit stritten sich die Forscher um die genaue Herkunft von uns Hunden. Einige jeweils weit verbreitete Ansichten waren: der Hund stammt vom Wolf ab, der Hund stammt vom Schakal ab, der Hund entstand aus einer Kreuzung von Wolf und Schakal, der Hund hat uns unbekannte, wildhundartige Vorfahren. Inzwischen ist die Herkunft -nicht zuletzt durch die rasanten Fortschritte der Genetik- geklärt: Der Hund stammt zweifelsfrei vom Wolf, Canis lupus, ab! Der alte wissenschaftliche Name des Hundes, Canis familiaris, wurde deshalb in Canis lupus familiaris geändert. Bestätigt wurde diese Korrektur in der 1993er Ausgabe "Mammal Species of the World", dem Referenzwerk der Smithsonian Institution zur Klassifizierung und geographischen Einordnung der Säugetiere dieser Welt. Dieses Werk wird in Zusammenarbeit mit der American Society of Mammalogists und der International Commission on Zoological Nomenclature erarbeitet und herausgebracht.

Moderne genetische Untersuchungen haben aber nicht nur für eine Neuklassifizierung des Hundes in der Wissenschaft gesorgt, sondern zeigen weitaus verblüffenderes: Die Untersuchung der Mitochondrien-DNS * ist eine Standardmethode um Populationen verschiedener Spezies, auch Wölfe, zu testen. Verschiedene Enzyme, incl. Hind lll, Eco RI, und Bam HI, wurden benutzt, um die Wolf-DNS aufzuschlüsseln. Genetische Untersuchungen der Mitochondrien-DNS von Wölfen und Hunden in den USA zeigten, dass die genetischen Unterschiede zwischen verschiedenen Wolfpopulationen durchschnittlich 0,16% betrugen. Der genetische Unterschied zwischen Wolf und Kojote betrug etwa 3,1%, und der Unterschied zwischen Hund und Wolf betrug 0,2% !

Quelle: Wolves: DNA Pawprinting, Connie Cusick, Woodrow Wilson Collection, 1994

Bislang hatten die Forscher nur anatomische Hinweise, dass der Wolf, und nicht etwa der Kojote oder der Schakal, der direkte Vorfahre ist. Ein schlüssiger Beweis dafür aber fehlte. Heute noch können sich Schakale, Hunde, Kojoten und Wölfe problemlos miteinander paaren.

Wölfe, Schakale, Kojoten und Hunde sind schlicht zu nah verwandt. Deshalb benützte das Team um Lundeberg und Bob Wayne von der University of California in Los Angeles einen Trick: Es verglich nicht das "normale" Erbgut aus dem Zellkern, sondern DNS-Fragmente aus den Mitochondrien, den "Kraftwerken" in den Zellen. Im Gegensatz zum normalen Erbgut, das eine Mischung aus väterlichen und mütterlichen Genen darstellt, wird die Mitochondrien-DNS nur von der Mutter vererbt. Sie ist daher "reiner". Ferner ist das Mitochondrien-Erbgut nicht sehr stabil, und daher häufen sich Veränderungen, sogenannte Mutationen, relativ schnell an.

* Mitochondrien: Zellorganellen, die mit der Eizelle, also nur von der Mutter, weitergegeben werden. Infolgedessen ergibt sich anhand der mitochondrialen DNS (mtDNS) ein rein mütterlicher Stammbaum; und da die Vermischung mit männlichem Erbgut nicht berücksichtigt zu werden braucht, können Unterschiede zwischen den Genen verschiedener Individuen auf Mutationen zurückgeführt werden. Verglichen werden insbesondere jene Sequenzabschnitte der mtDNS, die häufig und in ungefähr bekannten Zeitabschnitten mutieren. Mit dieser "molekularen Uhr" lässt sich dann zurückrechnen, wann zwei Bevölkerungsgruppen zuletzt gemeinsame Vorfahren hatten.

Quelle: GEO Special "Die Evolution des Menschen", September 1998

Kritisch muss man anfügen, dass die Genetik in diesem Teilgebiet zur Zeit eine kleine Krise durchmacht. Schon in der Vergangenheit geriet z.B. das genetische Modell "Eva kam aus Afrika" wegen methodischer Mängel in Bedrängnis. Doch konnte sich die "out of Afrika-These" von der Abstammung des Menschen später auch in verbesserten Studien bestätigen. Doch jetzt ist ein Grundaxiom der genetischen Berechnungen, die Mitochondrien-Vererbung, angekratzt. Jetzt stellt sich heraus, dass manchmal auch das Erbgut aus Mitochondrien des Vaters mitmischt! Die Genetiker müssen also gegenwärtig an einem Modell arbeiten, das die "Störgröße Vater" bei der Mitochondrien-Vererbung berücksichtigt.

Durch eine Erbgutanalyse von Hund und Wolf sind schwedische und amerikanische Evolutionsbiologen zur Überzeugung gelangt, dass der Ur-Hund zwar tatsächlich vom Wolf abstammt, doch schon vor rund 135 000 Jahren geboren worden ist. Damit wäre der beste Freund des Menschen rund zehnmal älter als bislang angenommen. Eine revolutionäre These, da man bis dahin davon ausging die Domestikation hätte vor 12.000 bis 15.000 Jahren stattgefunden. Joakim Lundeberg vom Königlichen Technologie-Institut in Stockholm, einer der Autoren der genetischen Studie, ist da anderer Meinung: "Die frühen Menschen waren nomadische Jäger und Sammler", sagte der Biochemiker. Weil damals keine "Friedhöfe" existierten, sei es nicht zwingend, Hundefossilien neben solchen von Menschen zu finden.

Doch die Zeitangaben der amerikanischen Studie werden von Prof. Hemmer entschieden angezweifelt. Er stellt fest, dass der methodische Ansatz dieser genetischen Berechnung einen "Genauigkeitsgrad" von 135 Tausend Jahre plus/minus 300(!) Prozent aufweist. Eine solche "Ergebnistoleranz" macht diese Zahl natürlich völlig unbrauchbar! Außerdem, so Prof. Hemmer, zeige die Studie im Zusammenhang mit dem errechneten Zeitpunkt einer so frühen Domestikation noch weitere fundamentale Mängel auf.

1999 schließlich brachten nicht nur genetische Erkenntnisse die bisherige Altersdatierung des Hundes ins Schwanken, sondern eine ganz "gewöhnliche" archäologische Entdeckung. In der Höhle von Chauvet (die von Steinzeitmenschen genutzt wurde) in Südfrankreich entdeckte der Prähistoriker Michel-Alain Garcia einen Pfotenabdruck, der mehr zum Hund (Die Hundepfote unterscheidet sich von der des Wolfs vor allem in der Position der Zehen) als zum Wolf passt. Vermutlich 25.000 Jahre alt, hervorragend erhalten. Sogar die Krallen des Tieres haben Spuren hinterlassen. Zweifel an der Identität des Tieres beseitigte Garcia in der Jugendherberge, die den Erforschern der Chauvet-Höhle als Stützpunkt diente. Er fotografierte die Fährte eines zufällig vorüberlaufenden Schäferhundes - sie war fast identisch mit derjenigen aus der Höhle. "Ich habe hier einen Wolf aus der Vorzeit", sagte Garcia so vorsichtig wie ratlos "der aussieht wie ein Hund."

grafische Darstellung der Fakten, Dr. vet. Herbert Meyer

Dr. vet. Herbert Meyer hat mit den o.g. Fakten auch eine interessante These entworfen: Die ältesten eindeutig vom Hund stammenden Knochenfunde sind ca. 14.000 Jahre alt. Die ersten Nomaden aus Sibirien sind vor rund 35.000 Jahren nach Amerika eingewandert und haben schon Hunde mitgebracht.(Die ursprünglichen Hunde Amerikas, wie der Xoloitzcuintli = mexikanischer Nackthund, haben nämlich die selbe Mutterlinie wie der europäische Hund.) Der erste nachgewiesene Pfotenabdruck eines Hundes stammt aus o.g. Chauvet-Höhle und ist vor ca. 25.000 Jahren entstanden. Schon damals muss also ein Hund Mitbewohner der Höhle gewesen sein. Nach genetischen Studien ist der Wolf schon vor 135.000 Jahren domestiziert worden.

Der Wolf lebte und lebt auch heute noch hauptsächlich in den gemäßigten bis kalten Gebieten der nördlichen Erdhalbkugel. Vor 135.000 Jahren war der Homo sapiens, unser unmittelbare Ahne noch in Afrika. Seine Einwanderung nach Europa und Asien erfolgte vor ca. 40.000 Jahren. In der Eiszeit waren die einzigen Hominiden - also Urmenschen - in Europa und Asien die Neandertaler. Diese sind eine später ausgestorbene Seitenlinie des menschlichen Stammbaumes.

Hat also der Neandertaler und nicht der Homo sapiens den Wolf domestiziert? Im Licht der neueren molekulargenetischen Untersuchung ist diese Annahme gar nicht so abwegig. Auch neuere Erkenntnisse der Erforschung der menschlichen Entwicklung zeigen, dass der Homo sapiens den Neandertaler nicht kämpferisch ausgerottet hat, wie lange Zeit angenommen wurde. Es ist sogar vermutlich über eine lange Zeit zu einem mehr oder minder friedlichen Nebeneinander der beiden Hominiden gekommen. Auch hier haben molekulargenetische Studien gezeigt, dass vermutlich einige unserer Gene auch von den Neandertalern stammen könnten.

Bis zum Zeitpunkt der Sesshaftigkeit der Menschen war eine bestimmte Zuchtrichtung des Urhundes nicht notwendig, da er wahrscheinlich nur zu jagdlichen Zwecken eingesetzt wurde. Erst mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht wurde eine Spezialisierung der Hunde notwendig und dies führte dann zu unterschiedlichen Hundetypen wie Hüte-, Wach-, Jagd-, und Schosshunden. Genetischer Austausch mit der Wildform wird auch dann noch stattgefunden haben, was auch die große phänotypische Vielfalt der Hunde ermöglicht hat.